Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Die Kamera und der Fotograf als Störenfried – Das Auslösegeräusch in der Chor- und Konzertfotografie

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Rock ist nicht Pop ist nicht Klassik

Ein Rockkonzert ist kein Konzert mit klassischer Musik oder ein Chorkonzert.

Besonders in Konzerten mit klassischer Musik und dem Spiel der Solistinnen und Solisten ist es heutzutage unzumutbar, wenn dazwischen alle paar Sekunden Kamerageräusche zu hören sind.

Nun war es wieder mal so weit.

Wir schreiben das Jahr 2015.

Wir saßen und lauschten dem Spiel der Solistin am Klavier. Es war in einer Kirche. Der Fotograf kam mit dem Einbeinstativ und klackerte damit hin und her. Dann stellte er sich mit einer D800, besonders eingepackt, zwei Meter neben uns und fotografierte viele Minuten die Solistin. Das Klacken machte uns das Zuhören kaputt und nach ein paar Minuten blickten viele Augenpaare nur noch zum Fotografen.

Denn die Menschen lauschten mit angespitzten Ohren konzentriert dem Spiel und nahmen feine Töne besonders wahr.

Wie kann man heute als Fotograf bei so einer Veranstaltung so fotografieren?

Das ist in meinen Augen eine Mißachtung der Musiker, Sänger und des Publikums.

In meinen Augen hätte Nikon für diese Digitalkamera Lokalverbot bei klassischen Konzerten verdient.

Nikon lobt die D 800 zwar als geräuscharm aber es ist keine geräuschlose Kamera.

Eine Panasonic oder eine Olympus Digitalkamera kann absolut geräuschlos fotografieren und die Nikon 1 V1 übrigens auch. Es gibt noch ein paar mehr.

 

Das Auslösegeräusch in speziellen sozialen Situationen

Beim letzten Konzert mehrerer Frauenchöre mit wunderbaren Solistinnen waren es einige Männer, die ihre dicken DSLRs nutzten (Canon und Nikon) und parallel rumklackten bis man ihnen die Meinung sagte.

Dann kommt immer das Argument mit dem Vollformat. Das gäbe die besten Fotos. Was versteht man denn darunter? Rauschfrei bei hohen ISO oder was? Für gute Fotos braucht man kein Vollformat.

Aber wenn wir das Argument aufgreifen, dann steht fest liebe Vollformat-Fotofreunde, daß ihr eindeutig die falsche Kamera für diese Art von sozialer Veranstaltung habt! Dann kommt auch bitte mit einer geräuschlosen Vollformatkamera.

 

Kameras für klassische Konzerte müssen lautlos fotografieren können

Leica hat mit der Leica Q eine absolut geräuschlose Vollformatkamera mit Autofokus im Programm.

Damit ist das geräuschlose Fotografieren im Vollformat bei klassischen Konzerten möglich.

Und wem die zu teuer ist, der kann sich eine Sony A7s kaufen, auch Vollformat, auch geräuschlos.

Und wer kein Vollformat braucht, hat noch viel mehr Auswahl…

 

Smartphones und kleine Kameras sind weiter

2011 habe ich einen Artikel geschrieben mit der Überschrift Das Auslösegeräusch als Hindernis für leise Fotografie.

Knapp fünf Jahre später stelle ich fest, daß die geräuschlosen Aufnahmen während dieser Konzerte überwiegend von kleineren Kameras und Smartphones (Video) stammten.

 

Neue Seminare zur Sozialverträglichkeit der Fotografie

Vielleicht sollte man bei Kameras mit Geräuschen heute Seminare zur Sozialverträglichkeit von lauter Fotografie anbieten. Denn es kommt nicht auf den absoluten Dezibelwert an sondern darauf wie leise es drumherum ist – also im Verhältnis zum Umfeld.

Nur wer eine solche Qualifizierung erfolgreich absolviert hat, kann auch diese Kamera bekommen. Dann hätten Anbieter wie die Nikon School eine sehr sinnvolle und sozial anspruchsvolle Aufgabe.

Das Seminar könnte lauten: Der sozial akzeptierte Umgang mit der Kamera in speziellen fotografischen Situationen: Chor, klassisches Konzert, Sport, Rockkonzert, Hochzeit etc.

Denn es kommt nicht nur auf den richtigen Umgang mit Zeit und Blende an sondern auch auf den richtigen Umgang mit der Zeitqualität und Tonqualität.

Aber dann wären die Marktführer kaum mehr dabei beim Vollformat, wenn man sagen würde, stellt auf geräuschlos. Wobei ich im Zeitalter der Filtermix-Fotografie das Vollformat nicht für wirklich entscheidend halte sondern neue Trends z.T. auch gute Trends sind.

Das gilt übrigens auch für die Tierfotografie außerhalb des Zoos. Wenn ich nachts oder frühmorgens Tiere fotografieren möchte, dann darf es nicht klacken. Das Gehör der Tiere ist dafür zu gut.

So ist die Welt der Fotografie auch heute noch ein riesiges Gebiet mit vielen Herausforderungen.

Und dabei wäre es doch toll, wenn die Fotografen ungestört und unauffällig ihrem schönen Hobby nachgehen könnten und parallel dazu die Konzertbesucher ungestört das Konzert genießen könnten.

Aber so bleibt Nikon mir in diesen Fällen eher unangenehm als Störenfried in Erinnerung. Dafür tröstet die V1 von Nikon immer wieder über vieles andere hinweg.

So ist eben fotografische Arbeit – das Ergebnis von Licht und Schatten!

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One Comment

  1. Ich kann den ganzen Ärger und Frust, der in diesem Beitrag steckt, gut verstehen.
    Seitdem die Fotografie massentauglich wurde, muss man nicht nur mit den Vorteilen der einfacheren Technik, sondern auch vermehrt mit rücksichtslosen Fotografen leben. Es sind ja nicht nur die Geräusche, sondern das uneinfühlsame Agieren was stören kann. Auch mit meiner relativ unauffälligen Fuji-X-Systemkamera weiß ich, das bei bestimmten Gelegenheiten halt nicht fotografiert werden kann/sollte.
    Bleibt nur zu hoffen, das der eine oder andere sein Fotografenbenehmen überlegt, obwohl ich ehrlich gesagt da nicht so optimistisch bin.

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