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Der technische und der persönliche Kamerazyklus – Dissonanzen und Harmonie

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Ich brauche lange um mit einer Kamera „warm“ zu werden. Und im Zeitalter der ununterbrochenen „neuen“ digitalen Kameras komme ich mit diesen Neuheiten kaum noch zu recht.

Liegt es an mir?

Vielleicht, aber nicht nur.

Als ich die Fuji X100 mit der letzten Firmware in Händen hielt, da brauchte ich nichts mehr in dieser Art – bis heute. Das war 2012/13 und alles war gut. Seitdem kamen aber fast jedes Jahr ein bis zwei neue Kameras pro Serie heraus und ich war völlig überfordert als ich mich in das Wettrennen begab – sowohl finanziell als auch bei der Nutzung.

Irgendwann dämmerte mir die Veränderung. Der alte Arthur Schopenhauser hatte lange vor der Erfindung der kleinen Fotoapparate einmal geschrieben „Das Neue ist der Feind des Guten“ Und mit dieser Formel im Kopf kapitulierte ich vor den neuen Digitalkameras.

Nun stelle ich fest, daß es nicht nur mir so gegangen ist.

Louis Ferreira hat dazu einen Artikel geschrieben, in dem er schildert, daß es kaum echte Neuerungen in den X100s und X100t Modellen gab und sogar Fuji selbst hat einen Blogbeitrag verfaßt auf dem geschildert wird, daß die erste Version die ist, die bis heute viele mögen (obwohl sie unglaublich günstig zu haben ist). Das liegt wohl an der Einfachheit und Qualität ohne Schnickschnack. Gerade die Begrenzung macht den Reiz aus. Und das Geheimnis hat auch einen Vater, es ist Herr Hiroshi Kawahara.

Leser von Louis Ferreira kommentierten dann auch, daß sie bis heute die Fuji X100 haben, weil sie z.B. fünf Mal schneller als die X100s sei und der Sensor super ist und einer schreibt, die Kameraindustrie versucht eben mit wenigen kleinen Änderungen „neue“ Produkte auf den Markt zu werfen.

Ich mache mal einen einfachen Vergleich:

Die meisten nutzen heute ihr Smartphone mindestens zwei Jahre, weil auch der (Raten-)-Vertrag des Handys so konstruiert ist und der neue Ansatz jedes Jahr das neuste Handy zu erhalten wird wohl nur von einer kleinen Gruppe genutzt, weil es schon viel teurer ist.

Und bei Kameras sind ja die einfachen Ratenverträge so nicht möglich, obwohl sie auch oft zwischen 400 und 1000 Euro liegen.

Wer nicht bar bezahlt sondern im Kaufhaus über eine Bank kauft, muß einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben und Lohnabrechnungen zeigen oder die Raten enthalten dort, wo es einfacher ist, oft hohe Zinsen. Auf gut Deutsch lohnt sich schon rein vom psychologischen Aufwand her alle zwei Jahre für Normalverbraucher eine neue Kamera nicht, weil nur der ohne Zeitarbeit und ohne Schulden so vorgehen kann – was bei Handyverträgen großzügiger gehandhabt wird.

Hinzu kommt, daß neue Smartphones wie das Huawei P9 gerade dabei sind, Digitalkameras zu ersetzen. Wenn eine „Instanz“ wie digitalkamera.de diesem Smartphone bescheinigt, eigentlich nur noch von einer Digitalkamera mit einem größeren 1er Sensor geschlagen werden zu können, dann ist es soweit.

Und dieses Smartphone kriegt man wieder mit einem einfachen unkomplizierten Handyvertrag auf 24 Monate…..

Aber davon abgesehen laufe ich zum Beispiel unabhängig von allen Kameras immer noch am liebsten mit meiner Fuji X100 rum.

Aber aus der Fuji X100 wurde nach Markteinführung kein soziales Ereignis gemacht – vielleicht weil die Firmware labil war – sondern nach meinem Eindruck wurden irgendwelche Fotografen, die die Werbeagenturen persönlich kannten, rausgeschickt und mit dem Etikett versehen, sie seien Streetfotografen usw. Ich versuchte mich damals auch zu beteiligen und wurde abgeblitzt und machte dann mein eigenes Magazin, was dazu führte, daß Fuji auf einmal auch ein Magazin machte. Aber Kontakt mit mir wollten sie nicht haben, zumindest nicht die Werbeagentur.

Und bevor man dazu einen Club oder ein Miteinander aufbauen konnte, damit man nicht nur digital sondern auch sozial unter Gleichgesinnten ohne große Kosten zusammenkommen kann, war die Kamera schon wieder „alt“.

Da wird dann aus dem stolzen Fuji X100 Besitzer ein Mensch, der alt aussieht, weil er nicht das neuste Modell kauft. Dabei habe ich weder verstanden wieso ich die neue Kamera brauche noch war ich mit meiner bisherigen Kamera unzufrieden. Vielleicht denke ich falsch aber Kundenbindung habe ich anders verstanden.

Nun habe ich natürlich Menschen im Blick, die nicht einfach 500 oder 1000 Euro jedes Jahr für eine neue Kamera bezahlen können sondern die ca. fünf Jahre eine Kamera nutzen. Wahrscheinlich ist diese Gruppe nicht im Fokus der Industrie aber ich bin trotzdem so.

Übrigens ist dies bei Nikon auch so:

Wie kann ein Unternehmen eine so gute Kamera wie die Nikon 1 V1 ohne Kundenwunsch orientiertes Firmware-Update einfach durch ein neues Modell ersetzen? Statt die Firmware der Nikon 1 S1 mit ihrem intelligenten Umschalten zwischen den einzelnen Modi auch für die V1 anzubieten, geht Nikon einfach dazu über und will die Kunden zwingen eine neue Kamera zu kaufen. Zig tausende warten bis heute auf das erlösende Firmware Update und würden dann sicherlich auch ein neueres Modell wollen als Ergänzung, weil die V1 einfach Alleinstellungsmerkmale hat.

Da war Fuji besser und schickte nach mehr als einem Jahr das große Firmware Update für die X100 auf der Grundlage von Kundenwünschen nach, das die Freundschaft erneuerte. Psychologisch war dies wahrscheinlich der wichtigste Schlüssel zur Kundenbindung, weil man Vertrauen aufbaute. Kunden warten, wenn sie wissen, daß ihnen geholfen wird und bei Fuji wäre meiner Meinung nach alles nicht so erfolgreich gewesen, wenn sie die Fuji X100 mit der ersten löchrigen Firmware allein gelassen hätten so wie es Nikon bei der 1 V1 tat. Das wirkt bis heute.

Nach unruhigen Jahren ist nun dieser Artikel zustande gekommen. Wer wissen will, wohin er geht, muß wissen, woher er kommt. Das geht offenbar nicht nur mir so und deshalb ist dieser Artikel wie ein Wegweiser.

Er hilft mir besser mit neuen Angeboten umzugehen, meine eigene Zufriedenheit im Blick zu halten und klare Anforderungen an die Unternehmen zu formulieren. Ich werde z.B. erst dann wieder was aus dem Nikon 1 System kaufen, wenn es eine neue Firmware für die V1 gibt, die auf die genannten Veränderungen eingeht.

Ansonsten bleibe ich bei Panasonic (Olympus ist ja jetzt eher höherpreisig als Panasonic), die ihre Kunden viele Jahre treu und gut fotografisch behandeln, bezahlbare Produkte liefern und echt auch Erfahrungen mit früheren Modellen in neue Modelle einbauen. Und bei Kameras zwischen 300 und 500 Euro kauft man auch mal eher als bei Kameras ab 700 bis 1500 Euro, denn es geht ja um ein Hobby und nicht um den Beruf, zumal es ja kaum wirkliche Neuerungen gibt.

Das möchte ich auch noch ganz kurz streifen. Wenn Sie mal die Bildqualität vergleichen von Digitalkameras (z.B. bei dkamera.de) dann fällt Ihnen irgendwann auf, daß bei früheren Kameras wie z.B. der Canon EOS 40D oder einer Olympus E-PL1 oder der Nikon V1 selbst die höchste ISO-Stufe scharf war. Es gab zwar Farbrauschen aber die Fotos waren selbst in der 100% Ansicht scharf. Bei den neueren Kameras, die mit ihren hohen ISO-Stufen werben, ist das meistens nicht so. Da gibt es zwar höhere ISO aber das Bild ist oft verschmiert. Im Prinzip ist diese technische Entwicklung also völlig sinnlos für das Fotografieren. Wenn ich verschmierte Fotos bei hohen ISO habe, dann kann ich besser anders fotografieren und mit niedrigen ISO bessere Fotos erhalten. Man kann zwar damit werben, daß die Kamera höhere ISO nutzen kann, aber was nutzt das?

So besteht das Leben auch heute aus dem unablässigen Kampf gegen den Krampf von Marketing, Propaganda und Werbung.

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, beachte eigene und andere Erfahrungen und überprüfe Aussagen im Verhältnis von gestern und heute.

In diesem Sinne eine gute Zeit!

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