Die monochrome Art und die Faszination Schwarzweiss-Fotografie

Die monochrome Art und die Faszination Schwarzweiss-Fotografie

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Wir schreiben das Jahr 2004.

Die fotografische Welt ist im Umbruch. Analoge Kameras werden überall noch genutzt. Digitale Kameras faszinieren immer mehr und erweitern die praktischen Möglichkeiten. Fotohändler sind noch überall, Filme werden an fast jeder Ecke entwickelt und Fotografie ist noch mit Kameras verbunden.

Dies ist gerade einmal zehn Jahre her.

In genau dieser Zeit sind damals zwei Bücher zur Schwarzweiß-Fotografie erschienen.

Thomas Maschke bietet in seinem Buch „Faszination Schwarzweiß-Fotografie“ einen kompletten Lehrgang der analogen Fotografie inklusive Laborentwicklung. Wer dieses Buch gelesen hat, kann einen Film allein entwicklen, weiß, was ein Labor braucht und versteht auch, analog zu fotografieren.

Ein wirklich gut gemachtes Buch. Zusätzlich enthält dieses Buch Bildbeispiele von Pina Bausch und ihrem Ensemble. Das macht aus dem Fotobuch ein Kulturgut.

Man sieht an den Fotos die Vorteile der monochromen Art der Fotografie, weil sie Dinge sichtbar macht, die es sonst so nicht gibt.

Das Einfangen des Blicks von Pina Bausch, der alles dominiert, ist so ein Foto. Das wäre mit Farbe so nicht machbar. Dieses Foto fasziniert mich besonders, weil der Fotograf eigentlich auf eine andere Person im Hintergrund scharfgestellt hat aber Pina Bausch, die weiter vorne sitzt, in die Kamera schaut und trotz der Unschärfe durch die Körnung der Blick total scharf wirkt und damit in dem Foto alles außer Kraft gesetzt wurde, was eigentlich anders sein müßte. Auf einem zweiten Foto ist Pina Bausch im Vordergrund von der Seite gedankenversunken zu sehen und es gelingt ein aussagekräftiges Porträt, das die Dynamik der Person, ihre Versunkenheit und ihre Ausstrahlung zeigt. Alles monochrom und mit Körnung. Wie es mir gefällt.

Und im selben Jahr ist das Buch „Digital fotografieren Schwarz-Weiß“ erschienen, eine Übersetzung eines Buches von John Beardsworth.

Da ist die komplette analoge monochrome Fotografie schon digital drin. In diesem Buch wird genau erläutert wie man mit Photoshop alles am PC machen kann, was man vorher im Labor getan hat. Das Buch enthält unglaublich viele fotografische Beispiele für alle analogen Labor-Varianten, so daß es sich um ein echt gutes Buch handelt, wenn man Inspirationen für die monochrome Art der Fotografie auf klassische Art und Weise sucht.

Und heute – zehn Jahre später?

Heute bieten die kostenlosen Programme schon mit einem Mausklick all das, was damals noch bei Photoshop mit Ebenen und vielen Befehlen erstellt werden mußte.

Heute ist die monochrome Art zu fotografieren nur noch einen Mausklick entfernt.

Damals ging es in erster Linie noch um Print, also Drucke.

Es spielten dabei Kriterien wie Archivfestigkeit eine Rolle. „Die Qualität der Wässerung entscheidet über die Archivfestigkeit des Negativs.“

Heute sprechen wir von der Speicherung der digitalen Negative im RAW-Format und den Sicherungskopien der Festplatte.

Und damit landen wir dann beim Positiv, das heute JPG heisst.

„Ansel Adams, der große Altmeister der Schwarzweißfotografie, zieht folgenden Vergleich: Das Negativ ist wie die Partitur eines Musikstücks, das Bild ist die Interpretation davon.“

So schreibt Thomas Maschke.

Blicken wir an dieser Stelle zurück.

2004 war die Zeit, an der man fotografische Fachbegriffe kennen musste. Man musste wissen, was man wollte, wenn es um einen Effekt ging. Das war entweder chemisch-analog oder bedientechnisch-digital erforderlich.

Dieses komplette Wissen ist heute nicht mehr erforderlich, wenn es um digitale Fotos geht. Heute werden einfach Vorgaben ausgewählt und sofort sieht man, wie ein fertiges Bild aussieht. Das zu drucken wird nur noch dann zum Problem, wenn es um spezielle Druckverfahren auf speziellen Untergründen geht. Alles andere wird von den Fotobuchanbietern und Drucklaboren oder dem eigenen Fotodrucker meistens allein erledigt.

Das Fotografieren ist technisch einfacher geworden. Der Verlust des ursprünglichen Wissens ist ersetzt worden durch den Umgang mit rein digitalen Begriffen wie Effektfiltern, Presets, Rauschen,

Olympus hat z.B. das Fotolabor schon vor einigen Jahren in die Digitalkamera integriert und mit der XZ-1 erstmals ein Komplettpaket in einer Kompaktkamera geliefert, das alles das erfüllt, was man aus analogen Zeiten noch weiß und in digitalen Zeiten unbelastet und kreativ nutzen möchte (und noch mehr).

Beide Bücher sind auch heute noch uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man Hintergründe und Fachwissen aus analogen Zeiten und den Transfer vom Analogen ins Digitale nachvollziehen möchte. Darüber hinaus bieten sie die Chance, das fotografische Sehen zu verbessern. Allerdings setzen beide Bücher auf den Sucher beim fotografischen Sehen. Heute wissen wir, daß Sucherfotografie intensiver ist als Monitorschauen. Es ist zudem interessant zu erleben, daß sich seit der im Buch von Beardsworth genutzten Canon EOS 300D nichts geändert hat bei dem, was wirkliche Fotografie ausmacht.

Das Display und die Videofähigkeiten der neuen Digitalkameras haben mit den fotografischen Fähigkeiten, die man für Fotos trainieren kann, eigentlich nichts zu tun.

Abgesehen davon wäre die Frage zu stellen, ob so ein kleiner Camcorder, der nun auch schon ausstirbt, nicht die bessere Wahl wäre für haptisch optimales Filmen.

Aber das ist eine andere Frage.

Dieser Artikel dient dazu, zurückzublicken auf eine Zeit der Veränderungen, in der es parallele Welten gab. Analoge Fotografie gibt es auch heute noch wie man hier in den Beiträgen von Harald Gwose lesen kann. Aber die seitdem zunehmende Digitalisierung der Welt hat heute durch die neuen technischen Möglichkeiten nicht nur das Fotografieren verändert sondern zu einer neuen Sprache geführt, die auch die Schrift zunehmend ersetzt, eine Bildersprache, die ohne Worte auskommt.

So ist der Wandel das Thema des Artikels und die Bücher halten etwas fest, was sonst nicht mehr gezeigt werden könnte. Suchmaschinen können es nicht, weil ihre Auswahl kommerziell ist und sie auch nicht alles finden und alles zeigen. Sie sind daher kein Ersatz für das, was ein Buch auszeichnet sondern eher eine zufällige Supermarktauswahl der digitalen Welt.

Was man monochrom heute machen kann man auf monochromeart.de sehen.

 

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