Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Die sozialen Gebrauchsweisen der Straßenfotografie bzw. Streetphotography

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Es ist noch gar nicht lange her, da war klar, was Strassenfotografie ist.

Streetphotography war eine spezielle Form der Dokumentarfotografie, die Situationen im öffentlichen Raum zeigt und der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.

Durch die Motivwahl und die gegenwartsbezogene Art zu fotografieren war es automatisch auch Fotografie, die die sozialen Gebrauchsweisen der Zeit widerspiegelte.

Man kann dies alles sehr schön an den Revisionen in der deutschen und englischen wikipedia erkennen.

Es gibt wohl kaum einen Artikel, der so oft umgeschrieben wurde – je nachdem welches Interesse und welcher Zeitgeist dahintersteckte.

Aktuell (Zugriff am 5.8.14) hat man versucht, in der englischen wikipedia aus der Streetphotography  Fotokunst zu machen: „Street photography is an art photography that features the human condition within public places and does not necessitate the presence of a street or even the urban environment.“

Die deutsche wikipedia macht dies auch gerade: „Straßenfotografie ist eine Genrebezeichnung der Fotografie, die zahlreiche Fotografen und Stile umfasst. Allgemein ist damit eine Fotografie gemeint, die im öffentlichen Raum entsteht, auf Straßen, in Geschäfte oder Cafés hineinblickend, Passantengruppen oder Einzelne herausgreifend, oftmals als Momentaufnahme, aber ebenso essayhafte Abfolge und Milieustudie.“

Genre ist ein Wort aus der Kunst und meint eigentlich Kunstgattung.

So wurde von 2007 bis 2014 aus der Street-Fotografie plötzlich Fotokunst.

Schön ist natürlich, daß wir alle Künstler sind, wenn wir irgendwo in der Stadt ein Foto machen. Damit ist nun absolut jeder im Land der Kunst angekommen und jedes Smartphone macht mit jedem Foto den Künstler künstlerischer.

Die Welt ist voller Fotokünstler und die Streetphotography ist das Genre, in dem alle diese Künsterlinnen und Künstler arbeiten.

Wer´s glaubt wird selig, wer es nicht glaubt, kommt weiter.

Gerade weil hier versucht wird, die Streetphotography von den Füßen auf den Kopf zu stellen, ist es sinnvoll, noch einmal auf die fotografische Wirklichkeit hinzuweisen.

Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich einen Artikel dazu veröffentlicht und parallel (und ohne Wissen voneinander) hat Andreas Herzau auch einen Artikel dazu publiziert.

Wir kommen beide zu demselben Schluß:

Ich schreibe: “Es ist also eine Art etwas zu tun unabhängig von der Frage analog oder digital. Es geht um den Prozess des Entdeckens.”

Herzau schreibt: „Der Begriff “Streetphotography” beschreibt lediglich den Modus Operandi des Fotografierens, genauso wie das Fotografieren in geschlossenen Räumen mit all möglichen Hilfsmitteln, wie Blitzanlagen etc. als “Studiophotography” bezeichnet wird.”

Wir sehen Strassenfotografie als Methode, andere erheben sie in den Status des Genres.

Dies hängt wohl damit zusammen, daß man zur weiteren Vermarktung zwischen Merchandising und Marketing dieses Thema nutzen will.

Daher wurde aus der ursprünglichen Streetphotography auch die street style photography „kreiert“, die Elemente der Streetphotography nutzt ohne echte Strassenfotografie zu sein.

Diese letzte Grenze wird nun durch die Umwertung der Begriffe versucht.

Strassenfotografie wird jetzt als Kunstgattung definiert, streetphotography als Genre.

Damit komme ich dann zurück zu der Frage, welche sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie damit gezeigt und genutzt werden sollen und assoziiere:

  • Jeder ist ein Künstler?
  • Jedes Foto im öffentlichen Raum ist Fotokunst?
  • Inszenierung ist Dokumentation?
  • ICH, ICH, ICH?
  • Künstlerische Freiheit erlaubt alles?
  • Schlechte Fotos werden gute Kunst?

Das scheint mir die Richtung zu sein.

Dem möchte ich klassische Betrachtungsweisen und klare Regeln entgegensetzen.

Das ist dann Fineart-Streetphotography.

Wie man das macht kann man hier lernen.

Worauf man achten sollte kann man hier lesen.

Und nun viel Spaß mit guter Streetphotography bzw. Strassenfotografie!

 

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