Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Die Wikipedia und die Street Photography

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Es ist richtig spannend zu erleben, wie auf wikipedia  Street Photography benutzt wird.

Wie kommt es eigentlich, daß die, die damit Geld verdienen wollen, plötzlich in dem Artikel auftauchen?

Klicken sie mal hier und Sie sehen, wie in der Anfangsdefinition des Artikels jemand auftaucht, der gerade seine Workshops zur Streetphotography weltweit anbietet.

So ein Zufall!

Das ist jetzt schon wieder geändert.

Die Revisionen, also Änderungen, am Artikel sind wirklich sehr erhellend. Allein was in diesem Jahr dort vorgenommen wurde, zeigt, wie medial wichtig dieses Thema ist und zeigt auch die Einflußnahmen.

Man muß wirklich sagen, daß das wikipedia-System da aber auch ganz gut gegensteuert.

Natürlich darf man in solchen Fällen nicht nur den Artikel lesen sondern muß auch in die Revisionen gucken, wenn es genau sein soll.

Aber da findet man auch was.

Man findet Einflußnahmen und Gegnerschaften und man findet Wissen, das besser war als das, was dort manchmal aktuell steht – aber auch umgekehrt.

Deshalb muß man immer wieder draufschauen.

Aktuell ist die Definition besonders interessant.

Eigentlich hat Streetfotografie ja was mit dem Leben auf der Straße zu tun, dem Straßenleben.

Jetzt wird sie in der englischen Wikipedia aktuell neu definiert und da können wir doch allen Ernstes lesen, daß Streetfotografie auch das Fotografieren ohne Menschen sein kann, wenn es sich mit dem menschlichen Charakter beschäftigt  „… street photography might be absent of people and can be an object or environment where the image projects a decidedly human character“.

Da staunt der kleine Klaus, überall kommt Streetfotografie raus.

In der deutschen Bearbeitung wird es nicht besser. Dort können wir lesen:

„Meist werden Menschen in einer Außenszene oder -situation gezeigt; jedoch können auch Bilder leerer Plätze das zuvor genannte Kriterium erfüllen.“

Als Beleg für diesen Satz wird das Buch „Fotokurs Straßenfotografie“ angeführt. Genau dieses Buch ist aber als Beleg dafür nicht geeignet, weil es sich eben nicht mit Straßenfotografie beschäftigt sondern mit dem urbanen Raum.

Fotografieren im urbanen Raum oder Fotografieren an Urban Places wäre dann wohl richtig.

Man könnte höchstens die englische Variante an dieser Stelle aufgreifen und von streetsphotography sprechen.

Also nicht street sondern streets. Damit würde zum Ausdruck gebracht, daß es sich mehr um die Struktur von Straßen und die Gestaltung handelt und nicht in erster Linie um Menschen auf der Straße. Vielleicht wäre Stadtfotografie noch besser, obwohl dies Architekturfotografie oder Straßenfotografie sein kann oder Themenfotografie, weil darunter alles paßt.

Das neue Image der Streetphotography wird also immer wieder aufpoliert und neu gemacht. Weil der Begriff so gut ist, wird da alles reingepackt, was eigentlich woanders rein müßte.

Ist das schlimm? Nein, aber es sollte schon deutlich werden, daß Streetphotography so wie sie in der Fotowelt verstanden wurde, immer das Leben von Menschen auf der Strasse meinte und nicht das Fotografieren von menschenleeren Strassen. Da geht es ja dann um die Struktur des öffentlichen Raums, also um urbane Strukturen oder städtische Orte oder Stadtfotografie oder urban places.

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