Neue Motive – Neue Dokumentarfotografie

Neue Motive – Neue Dokumentarfotografie

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In einem Film von Heinz Büttler aus dem Jahr 2003 über Henri Cartier-Bresson weist Arthur Miller darauf hin, daß Amerika ein Land äußerster Gegensätze ist.

Dabei zeigt er Fotos von Cartier-Bresson aus den Jahren zwischen ca. 1950 bis 1970, die aus der amerikanischen Provinz ebenso stammen wie aus Harlem in New York.

Das war in Deutschland so nicht der Fall.

Das kommt erst politisch gewollt seit Hartz 4 und der neuen Politik nach der Wiedervereinigung.

Es gibt eine neue Politik, in der die Stimmen der alten Politiker keine Rolle mehr spielen. Das ist auch kein Wunder, weil es sich um einen Aufruf von Menschen mit überwiegend neoliberaler Gesinnung handelt, die all dies zu verantworten haben, was gerade heute die soziale Wirklichkeit in Deutschland ausmacht.

Sie haben die politischen Voraussetzungen dafür geschaffen, daß wir heute diese Motive vorfinden:

  • extreme Gegensätze zwischen arm und reich
  • zerstörte Landschaften
  • künstliche Welten
  • Zerfall des öffentlichen Raumes außerhalb von Vorzeigezonen
  • Masse als Thema von Menschen bis zum Müll
  • Clash der Kulturen im Kleinen

Die Themen waren schon immer da aber nie so bestimmend wie heute.

Interessanterweise kritisierte man vor dem Mauerfall die DDR für

  • kaputte Strassen
  • marode Häuser
  • fehlenden Wohlstand für alle

um nur einige plakative Merkmale zu nennen. Heute nach 25 Jahren Mauerfall kann man genau dies im neuen Westen kritisieren, der jetzt auch im Osten ist. Dieser Westen ist jetzt überall.

Und selbst auf der Schwäbischen Alb hat man gemerkt, daß die Welt sich geändert hat und sparen für schlechte Zeiten nicht mehr hilft, wenn man Hartz4 beantragt und erst alles aufbrauchen muß, was man sich selbst geschaffen hat.

Deutschland ist aus seiner selbst geschaffenen Schutzzone heraus und dort angekommen, wovor andere gewarnt haben. Nun sind wir in einem Land, das für immer mehr Menschen perspektivlos ist.

Die Franzosen warnen seit Jahren vor dem Modell Deutschland.

Die  Politik redet von ausgeglichenen Haushalten und rund um Köln bricht der Verkehr zusammen. Marode Brücken und schlechte Straßen sind wegen Geldmangel nicht reparabel und die Flüchtlingsströme nach Deutschland überschwemmen gleichzeitig das Land. Als Höhepunkt will man sich nun von denen, die durch ihre Spekulation die letzte Krise ausgelöst haben und mit Steuergeldern gerettet wurden, das Geld leihen durch Investitionsfonds. Auf Deutsch bringen die Spekulanten „ihr“ Geld in Sicherheit und legen es in krisenfesten Werten an, während die kleinen Leute durch die Inflation des Geldes enteignet werden.

Zudem stehen wir gerade vor dem Tor der Staatenlosigkeit. Durch TIPP und CETA werden die Rechte der Staaten abgeschafft. In einem Film der ARD wurde am Beispiel des Hedgefonds Blackrock gezeigt, wie Konzerne zunehmend die Staaten beherrschen, weil die Politik ihre Souveränität in der Wirtschaft abgibt.

Sie haben die Religion durch den Glauben an die freien Kräfte des Marktes ersetzt als Ersatzreligion für alle. Das nennt sich neoliberale Ideologie.

Da war man schon mal weiter, weil man weiß, daß Menschenrechte nur mit sozialer Absicherung und Demokratie auf Augenhöhe möglich sind.

Es gibt eine neue Zeit in Deutschland.

Das Dokumentieren der Zustände bringt noch keine Veränderung sondern lediglich die Chance auf bewußtes Sehen dieser sozialen Situationen.

Daraus erwächst aber noch nichts.

Denn es ist eben eine neue Zeit. Die zivilisatorischen Umstände haben sich geändert.

Der Clash der Kulturen und das Zeitalter der Extreme sind nun auch bei uns in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das geschieht nicht mit einem Knall sondern mit Entwicklungen, die man zuläßt.

Da es immer Parallgesellschaften gibt, spielt dies solange keine Rolle wie es nicht in den entscheidenden Parallelgesellschaften angekommen ist. Das scheint mir nun langsam der Fall zu sein.

Daraus werden jetzt Konfliktzonen. So hat die soziale Fotografie viel zu fotografieren und kann gesellschaftliche Zustände festhalten.

Ob die dann jemand sehen will, ist eine andere Frage.

Aber mit den Augen des Historikers betrachtet finde ich es sehr interessant. Es müssen aber Fotos sein, die auch was erzählen. Demofotos allein sagen nichts, wenn der Zusammenhang auf dem Foto nicht sichtbar ist oder eine entsprechende Texterklärung beigefügt wird.

Gerade im Zeitalter der visuellen Sprache ist das genaue Wissen wichtig, weil man sonst die Details aus dem Blick verliert.

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