Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wie viel Kamera braucht der Mensch? – Neue Trends und einige Gedanken dazu vor der photokina 2016

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Wo enden die Kompaktkameras?

«Handys sind das Substitut der Kompaktkameras»

Diese Aussage ist nicht von irgendjemand sondern vom Retter der Firma Leica, Dr. Andreas Kaufmann. Und er sagt dies im Zusammenhang mit der Kooperation zum Thema Huawei P9.

Ist dies das Ende der Kompaktkameras und überleben nur die anderen Kameratypen?

Möglich aber wegen der vielen Menschen mit unterschiedlichen Interessen eher unwahrscheinlich.

Fast alles findet seinen Käufer und wer mehr als ein Handy haben will, weil er/sie gerne fotografiert, sucht eben eine Kamera.

Und eine kompakte Kamera ist da oft die beste Lösung. Es kommt eben darauf an, was ich darunter verstehe.

Der Rest sind die drei großen G´s (meine Erfindung)

  • Geldbeutel,
  • Geschmack und
  • soziale Gebrauchsweisen

der technischen Geräte.

Und weil digital fast alle Sensortypen heute ausgereift sind und gute Fotos machen, wird der technische Aspekt eher für die Technikfreaks entscheidend sein, während der kommunikative Zusammenhang und das Soziale vom Design bis zum Statussymbol immer wichtiger wird.

Und da bildet Leica die finanzielle Spitze.

 

Sony lockt ins Vollformat

Sony gelingt es, das Vollformat dem breiteren Publikum schmackhaft zu machen.

Dazu hat das Unternehmen drei Dinge umgesetzt-

  1. Die Kameras sind kleiner und leichter und angenehm zu tragen
  2. Die Kompatibilität durch Adapter ermöglicht Objektive anderer Marken zu nutzen
  3. Der Preis ist heiß bei einem Kamerakit von ca. 1200 Euro für Vollformat pur

Danach geht es dann aber zur Sache.

Wer mehr will, muß sofort ca. mindestens 1000 Euro mehr bezahlen für lautloses Fotografieren oder mehr ISO. Aber wer sich erst einmal an die erste Alpha 7 gewöhnt hat, der wird sicher Lust auf mehr bekommen …

 

Fast alle Hersteller haben ein Objektivproblem

Denn so klein die Kameras werden, die Objektive bleiben unförmig groß.

So schön die Sony Alpha 7 z.B. ist, wenn dann erst einmal ein bis zwei Pfund Objektiv dranhängen, ist der Spaß vorbei. Lediglich Panasonic und Olympus haben da im MFT Bereich angenehm kleine Objektive mit guter Qualität hinbekommen. Das ist daher ein Zukunftsthema mit viel Potential.

Man sieht es aktuell bei Fuji. Dicke Dinger werden konstruiert, so als ob die Firma zeigen will, daß sie es mit Canon aufnehmen kann.

Aber ob dieser Kundenkreis wächst?

Mal sehen.

 

Die Miniaturisierung von Digitalkameras hat ihre Grenze erreicht

Die Optimierung scheint zu beginnen bei jetzt schon sehr ausgereiften Kameras.

Die Sony RX 100 Reihe, die neue Lumix TZ 101 und die Panasonic Lumix GM5 sind wunderbare kleine und gut nutzbare Digitalkameras, wobei die Lumix GM-5 den größten Sensor im kleinsten Gehäuse hat und riesig viele Möglichkeiten bietet.

Das ist toll aber nicht für jeden was. Viele wollen mehr im Sinne von größerem Gehäuse. Viele wollen sich auch abschleppen, die Phase des Gewichtsverlustes tritt oft erst ein, wenn man sich am Schleppen abgearbeitet hat.

 

Die Angleichung der Möglichkeiten bei Smartphones und Digitalkameras ist begrenzt

Wenn ich bei einem Smartphone mal eben einen Filter über ein Foto legen kann, um den Quickie hochzuladen, dann ist dies bei anspruchsvolleren Bereichen der Fotografie mit Digitalkameras nicht so einfach möglich, egal ob bei Makros, Landschaft oder oder oder. Für wirklich schöne Fotos brauche ich dann auch mehr als ein Smartphone.

Und nun den umgekehrten Weg zu gehen und zum Smartphone, das ja gerade alles in einem Gerät elegant vereinen soll, mit Vorsatzlinsen und Handgriffen eine ganze Serie von Zubehör zu schaffen, wird in meinen Augen nicht sehr erfolgreich sein. Natürlich wird es Menschen geben, die das kaufen, aber die Masse? Die will das Handy ohne drumherum. Und wer dann mehr will, kann sich Gutes tun, wenn er/sie sich eine separate Kamera kauft.

 

Von der Marke zur Macke

Kennen Sie noch Montblanc? Das ist ein gutes Unternehmen, das früher sehr hochwertige Füller mit guten (und daher teuren) Materialien produzierte und auch Uhren mit feinsten Uhrwerken und feinsten Materialien im Programm hatte. Einen Montblanc-Füller oder eine Montblanc-Uhr waren ein Geschenk fürs Leben. Bei wem gilt der Satz heute noch so?

Wenn ich mich von Montblanc löse und es allgemeiner formuliere, dann sehe ich es so. Seit dem Einzug des neoliberalen Verkaufsmodells zählt eher der Quartalsgewinn als die langfristige Qualität. Und da ist der Modegedanke interessanter, weil die immer wechselt.

Deshalb gibt es ja auch die Debatte um die Obsoleszenz, also den eingebauten Verschleiß. Und heute ist es oft so, daß man bei Smartphones und einigen Kameras schon sieht was außen wohl nicht so lange halten wird. Was drinnen ist, wissen wir nicht. Daher haben auch Newcomer gute Chancen. So wie bei teuren Uhren. Die kaufte man wegen der Qualität. Aber heute gibt es viele junge Firmen, die die neue mittelmäßige Qualität ohne den Markennamen günstiger und oft schicker anbieten. Statt 3000 Euro kosten so oft gute Uhren eher zwischen 30 und 300 Euro. Quartzwerke und Kunststoff halten nicht so lange wie mechanische Teile aus feinstem Material und Uhrwerke ohne schnelle Verschleißteile. Und das ist bei Sensoren und Platinen nicht anders. Daher ist das bei Smartphones ebenso.

(Und die echte Entsorgung des Ganzen durch Recycling funktioniert auch nicht, so daß wir mit immer mehr neuen Produkten zugleich immer mehr neue Probleme produzieren. Aber das sprengt den Rahmen hier.)

Apple rettet sich durch das eigene Betriebssystem und Microsoft rutscht mit den Lumia Smartphones eher so in die Ecke von Ricoh/Pentax bei den Kameras, kleiner aber feiner Markt mit sehr stabilen Produkten ohne viel drumherum.

Und die anderen Unternehmen im Bereich der Kameraindustrie? Dazu hat Tom Hogan einen guten Artikel geschrieben, der der eigenen Meinungsbildung dienen kann.

So, das waren einige Gedanken vor der photokina im September 2016, die ich teilen möchte.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und welche Trends ich übersehen habe.

 

 

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